Man unterscheidet in einer Fallschirmausbildung zwischen der "klassischen Ausbildung" und der Ausbildungsmethode "AFF"
Die Klassische Ausbildung bezieht sich anfänglich hauptsächlich auf Automatensprünge (ca. 1000m über Grund), der Student (Fallschirmsportschüler)
verlässt das Flugzeug in einer stabilen Haltung und der Schirm wird automatisch durch eine Verbindungsleine (Flugzeug und Gurtzeug)
aufgezogen. Später geht man dann zum freien Fall aus größeren Absetzhöhen über.
Die Ausbildungsmethode AFF (engl. accelerated freefall (zu deutsch: die beschleunigte Freifallausbildung)).
Der Student verlässt das Flugzeug, anfangs mit 2 und später mit einem AFF-Lehrer, aus einer Höhe von ca. 3800m Höhe über Grund.
Aus Erfahrung ist der Student hier ein Höchstmaß an psychischer Belastung, die man auch "sensory overload" nennt, ausgesetzt.
Diese psychische Überbelastung ist aber nach 5 Sekunden überwunden und man kann mit seinem Sprungprogramm beginnen.
Vorteil der Ausbildung ist, wie der Sinn des amerikanischen Erfinders aussagt, das der Lehrer im eigentlichen Medium,
nämlich dem freien Fall, Fehler des Student noch während dem freien Fall korrigieren kann.
Der Student durchläuft bei der Ausbildungsmethode 7 Lernstufen (Level).
Vorteil ist der Ausbildung ist das der Student mit nur wenigen Sprüngen einen hohen Lernerfolg hat.
Dropzone Ampfing Germany, Bavaria, 25.-26.03.2006 Etwas pissig schaute ich vom Auto aus auf die Landebahn am 25.03.2006 nachdem ich zum Flugplatz Ampfing eingebogen war. Alles weiß. Ich mag Schnee nicht und wenn dann nur in Panoramakameras auf dem bayerischen Fernsehen.
Nunja
egal, heute und morgen ist ja eh nur Theorie. Ich parkte das Auto vor der Halle,
schaue zurück…Ahh noch einer der wartet. Also aussteigen und mal anquatschen.
Ich stelle fest dass es einer der 2 Mitschüler von mir ist. Er hatte mir schon
voraus dass er bereits einen Sprung gemacht hatte allerdings im letzten Jahr.
Also bisschen fachsimpeln, nach seinen Erfahrungen fragen, wie das alles so ist.
Dann
gingen wir in die Halle, wurden auch recht freundlich empfangen, direkt einen
Cappuccino bekommen und dann lernten wir auch unseren Ausbilder in Sachen
Theorie kennen…RONNY…
So habe
ich mir einen Fallschirmspringer vorgestellt, bissl kleiner, alternative coole
Kleidung, bisschen längere Haare und Fallschirmspringerschmuck am Hals.
Wir
haben zusammen diverse Papiere ausgefüllt, alles noch mal gecheckt ob auch alle
Unterlagen vollständig sind.
Dann
begann das Programm für die nächsten 2 Tage. Ich hasse Theorie, schon immer,
gibt mir einen Hammer und Nagel in die Hand und ich teste solange herum bis ich
beides zusammen benutzen kann, aber es hilft ja nichts.
Wir
haben uns einen Fallschirm mal genauer angesehen. Nein falsch den CONTAINER,
dass ist quasi der „Rucksack“ bzw. das Gurtzeug. Man muss sich vorstellen man
hat einen Rucksack auf und in dem Rucksack (Container) sind die 2 Fallschirme…JAAA
ZWEI. Es gibt ja den Hauptschirm und einen Reserveschirm, also keine Panik man
hat doppelte Sicherheit, im Gegensatz zum Auto wenn da der Airbag nicht geht
kommt kein 2. heraus.
Wir
haben alle Bestandteile des Gurtzeugs angesehen, dann auch den Hauptschirm
ausgelöst und uns den Inhalt näher angeschaut und auch dort alles kennen
gelernt. Der Schirm, es ist kaum fassbar, besteht aus einem ziemlich dünnen
Stoff. Ich dachte mir noch: Und der Fetzen soll mich tragen? Aber beim entfalten
wusste ich das er sicher viel mehr aushält da er wirklich brutal groß ist.
Schulschirm halt, wenn man den mit einem Schirm vergleicht von jemanden der
schon sehr lange springt und das auf Motorräder beziehen würde, kann man sagen
wir haben eine Chopper…gutmütig, langsam, einfach zu fahren und ein „Profi“ hat
eine Supersportmaschine ohne Straßenzulassung mir hartem Federweg und verdammt
schnell. Nachdem wir den Schirm nun kannten haben wir uns das Packen mal
angeschaut und etwas mitgeholfen. Der Schirm ist wirklich ein kleines
„schlüpfriges Scheißerchen“ aber nach und nach ging es dann und ich habe mich
mit ihm angefreundet.
Dann kam
wieder Theorie. Die Grundstellung im freien Fall (Boxposition bzw. Arch) ansehen
und auch direkt nachmachen. Das war ganz witzig, wir lagen abwechseln auf dem
Bauch auf einem drehbaren langen und gepolsterten „Hocker“, Arme und Beine
wurden an Gummibänder gehängt (mit Schlaufen) und so wurde alles etwas nach
oben gezogen. Wir lernten auch gleich die Handzeichen (Die gibt der Lehrer in
der Luft da man sich bei ca. 200km/h Fallgeschwindigkeit nicht wirklich gut
unterhalten kann) umzusetzen, Becken vor, Beine breiter, Beine schmaler,
Unterschenkel anwinkeln bzw. strecken usw.
Dann
Ballett spielen. Ja BALLETT. d.h. wir haben eine Art Weste umgeschnallt bekommen
an dem der Abtrenngriff (damit kann man im Notfall den Hauptschirm vom Gurtzeug
abtrennen) und der Reservegriff (den zieht man um den Reserveschirm auszulösen)
sowie an einem weiteren Gürtel der Pullgriff (der löst beim ziehen den
Hauptschirm aus) angebracht ist. Einfach so nackt an einem Gummiband zum üben.
Endlos
lange übten wir div. Szenarien. Aber DAS MUSS sitzen!!! Es wäre nicht sehr schön
wenn man sich bei einem Griff vertut. Ballett daher weil man ja immer Arch
einnimmt etc. das schaut vom weiten schon fast wie ein Ballett aus.
Wir
haben dann noch im „Hänger“ geübt. Der Hänger ist ein Originalgurtzeug das an
einem Flaschenzug hängt, natürlich ohne Schirm. Man steigt in das Gurtzeug,
alles fest anziehen, wird hochgezogen und dann geht es los…Höhenmesser ablesen,
bei 1500m abwinken, ARCH REACH PULL (Arch: wieder die Grundposition einnehmen,
REACH: Den Pullgriff erfassen und mit der anderen Hand die Bewegung ausgleichen,
PULL: ziehen des Hauptschirmgriffes) dann zählen…2001, 2002, 2003, 2004 und nach
oben schauen und Kappenkontrolle (Ist der Schirm rechteckig) Falls alles passt
die Steuerschlaufen vom Klett lösen und Flareprobe (quasi den Schirm durch
Veränderung des Winkels abbremsen), bisschen nach links und rechts ziehen, also
lenken…okay alles passt.
Das war
ja einfach später kamen dann Mailfunctions (Fehlfunktionen am Schirm wie z.B.
dass der
Schirm nicht sauber öffnet usw.) dazu…Ronny zeigte und über dem Kopf Bilder was
wir sehen. Ja so was kann auch vorkommen und muss geübt werden. Also die
entsprechenden Gegenmaßnahmen einleiten und wenn es nicht besser wird,
Höhenkontrolle, Hauptschirm abtrennen und die Reserve ziehen.
Später
dann Fallübungen. Falls man mal zu schnell ist beim Landeanflug, warum auch
immer sollte man sich abrollen können. Logisch einfach Energie abbauen. Also das
ganze erst im knien, dann im stehen und schließlich vom 1. Platz einer
Siegertreppe die da stand. War aber nicht wild und hat auch nicht wehgetan.
Hatte
ich eigentlich schon erwähnt das der 2. Mitschüler (Helmut) von mir über 60
Jahre als ist? JA IST ER. Und wenn das ein 60’er schafft, schafft das jeder
denke ich mal. Es gibt ja bei der Sportart keine Altersgrenze also warum nicht
anfangen wenn man reifer ist. Im Gegenteil ich finde das sehr gut.
Ja was
haben wir noch alles gemacht, wie gesagt Theorie, den Exit (Das ist der Ablauf
wie man ein Flugzeug verlässt) geübt. Man kann da ja nicht einfach so
raushopsen.
Auf alle
Fälle war alles ganz locker und schön gemacht, Ronny hat auch den Stoff sehr
anschaulich herübergebracht und war auch nicht genervt wenn man 5 Mal nach etwas
Bestimmtes noch mal nachgefragt hat.
Großkotzig wie ich bin sagte ich natürlich das ich direkt beim ersten Exit erst
mal einen coolen Spruch ablasse. Ronny ging darauf ein und meinte das wir um
eine Kiste Bier wetten können wenn man das auf dem Video hört (Alle AFF Sprünge
werden von den AFF-Lehrern die mit springen auf Video aufgenommen zur späteren
Auswertung (Debrifing des Sprunges). Er meinte dass ich sicher nichts sagen
werde, von wegen erster Sprung, Aufregung etc.
Liebe Leser: Die Kiste Bier ist von mir leider verloren! Das Video wurde
gemacht und ich habe auch was gesagt, allerdings wurde alles ohne Ton aufgenommen.
Leider kann nun die Nachwelt mein: "SO LADYS
LOS GEHT ES…" nicht hören. *snif*
Aber
meine Theorie ist auch noch nicht abgeschlossen, jeder Sprung umfasst ja wieder
etwas Neues und das zählt auch zu Theorie. Ganz nach dem Motto: Man lernt nie
aus.
AFF-Level 1-7
Alle AFF Level sind sehr flexibel gehalten
und richten sich nach dem einzelnen Schüler und dessen Können.
Die weiteren werden die einzelnen Sprünge
extra auf den einzelnen Schüler persönlich zugeschnitten und ausgebildet aber
es gibt immer eine "roten Faden".
Wie mein erster Sprung abgelaufen ist könnt
Ihr gerne hier auf der Homepage unter "AFF
Level 1-7" oder etwas allgemeiner im "FAQ"
nachlesen.
Solosprünge
Für die gesamte Ausbildung werden 7
Solosprünge benötigt die man nach den 7 AFF Level machen kann.
Man ist dann soweit das man alleine und
sicher ein Luftfahrzeug verlassen kann und das erlernte üben kann (Bewegungen
um alle 3 Achsen).
Bei den Solosprüngen ist zu beachten das man
immer noch im Schülerstatus ist und auch vom Lehrer einen "Sprungauftrage"
bekommt.
Der Auftrag könnte z.B. das sein:
Floater Exit, stabilisieren, Salto vorwärts,
Salto rückwärts, bei 1200m abwinken und Pull.
1-0-1
auch one-by-one oder Instruktor-Sprünge
genannt. 1-0-1 sagt aus das ein Lehrer auf einen Schüler kommt.
Es gibt auch 1-0-2, was aussagt das 2 Schüler
auf einen Lehrer kommen aber das betrifft nicht die AFF-Ausbildung.
Für die gesamte Ausbildung werden 5 dieser
Sprünge benötigt.
Die Sprünge sind aber SEHR sinnvoll. Lieber
ein 1-0-1 machen und danach sauber debriefen als 5 Solo Sprünge und weniger
Lernerfolg haben.
Bei den Sprüngen lernt man dann wieder neues
wie: z.B. Sitzfliegen (Man fliegt im Sitzen als wenn man auf einem Stuhl
sitzt), leveln (ausgleichen von Höhenunterschieden von sich zum Lehrer),
effektives Tracken (Also viel Trecke beim fliegen machen) oder auch RW Sprünge
(Relative Work bzw. Formationsspringen) sind machbar, es muss also nicht immer
Freefly sein ;-)
Handdeploy-Einweisung
Hierbei handelt es sich um eine Einweisung in
ein anderes Öffnungssystem. Die Einweisung wird üblicherweise nach dem 15.
Sprung gegeben. Bisher wurde ja der Schirm mittels dem Main Ripcord Handle
(Pull oder Aufziehgriff) geöffnet. Das Kabel am Griff gab dann den Loop (Eine
Schlaufe die den Container verschießt) frei und der Hilfsschirm "springt" dank
der Spannung einer Feder aus dem Container nach oben und reißt den Rest mit.
Beim Handdeploy ist es so das der Griff direkt am Hilfsschirm angebracht ist.
Der Hilfsschirm ist zusammengerollt in einer kleinen Tasche und wird mittels
dem Griff herausgezogen, in den Wind neben einem gehalten und einfach
losgelassen. Der Hilfsschirm fängt dann Luft ein und reiß den Rest eben so mit
vor das andere System. Die Einweisung und das Packen danach ist einfach nur
noch schön, endlich geht der Container einfacher zu weil die "lästige" Feder
weg ist.
Schirmentwirren
Hierbei wird ein Hauptschirm ausgelegt und
die Leinen einfach "verwurstelt" Ziel ist es dann das der Schüler, nach
vorheriger Einweisung, den Schirm bzw. die Leinen wieder entwirrt so das er
wieder packfähig ist und alle Leinen frei verlaufen.
Ich denke mal Bilder sagen mehr als zig Worte
also anbei mein persönliches Schirmentwirren.
Ronny hat den Schirm verwirrt!
LOS GEHT ES... Ortszeit: 12:08Uhr
Schirm ausbreiten 12:09Uhr
Hmmmm *grübel*
Eindeutige Geste
Das schaut gut aus
Hmm hinter mir doch nicht
14:21Uhr, Abbruch mit dem obigen Ergebnis.
Ich habe den Schirm ca. 4 mal wieder komplett
verwirrt und wieder entwirrt aber das eigentliche Problem nicht lösen können.
Wie man sieht ist die A und D Leine einmal in
sich verdreht.
Lösung: Die A-Leine nehmen und in durch den
Ring der D-Leine um die D-Leine herumführen, wieder herausziehen und FERTIG.
Kleiner Trost: Den Fehler erkennen manch andere
"Profis" auch nicht.
Ich habe übrigens mal wieder ne Kiste Bier an
Ronny verloren da ich ja vorher meinte er soll mal was "schweres"
einbauen, ich bin ja der
Air-Prinz und der entwirre alles. *lach*
Aber so ist das, lieber mal die Klappe halten wenn
man in der Bildzeitung nicht mal das Kreuzworträtsel schafft. *hmpf*
(Aber das Freibier hat dann allen, am Ende
des Sprungtages, gut geschmeckt)
Theoretische Prüfung
Hier kommen um die. 100 Fragen aus 7 Sachgebieten
(Multiple Choice) vor.
Die 7 Sachgebiete umfassen: Aerodynamik,
freier Fall, Luftrecht, Meteorologie, Technik, Verhalten in besonderen Fällen,
menschliches Leistungsvermögen.
Gewertet wird jedes einzelne Fach.
Wertung: 85% richtig bedeutet:
bestanden.
Bis 75% richtig = mündliche Nachprüfung (in dem Fach)
Die Prüfung ist okay aber wie immer, wenn in
Deutschland etwas abgenommen wir, auch viele zweideutige Dinge dabei die man
so und so sehen kann. (aber dafür wird ja geübt)
Natürlich wird man auch vor der Prüfung noch
mal eingehen darauf eingewiesen und alles wird angesprochen.
Höhenreduzierte Sprünge
Es werden 2 Sprünge aus einer geringen Höhe
benötigt.
Die Sprünge simulieren z.B. das Versagen des
Flugzeuges mit anschließendem "Notfall-Exit"
In Wirklichkeit habe man aber massig viel
Zeit.
Man verlässt den Flieger und pullt
stabil einfach dann wenn man noch im relativen Wind ist.
Das ganze passiert bei 1200-1500m über Grund.
Prüfungssprung (höhenreduzierter)
Das ist einfach der Prüfungssprung aus
der reduzierten Höhe.
Auf dem Bild bin ich bei meinen
Prüfungssprung.
Prüfungssprung
Das ist der eigentliche Prüfungssprung aus ca. +3800m
über Grund.
Man bekommt eine Prüfungsaufgabe und ein
Lehrer ist wieder dabei und hält alles auf Video für die Nachwelt fest.
Bei mir waren die Aufgaben: zum Lehrer
tracken, Bewegungen um alle 3 Achsen (Salto, Rolle) und zum Abschluss in eine
vorgegebene Richtung tracken.
Auf dem Bild bin ich kurz vor dem Einstieg in
den Flieger zu sehen. (Also alles ganz locker)