Canopy Control Workshop
Rearriserstall, Frontriserschlaufen, massiver Höhenverlust durch schnelle Inputs an den Frontrisern, Brustgurt lockern, Stallpunkt mit den Toggles suchen,
Crosswind- Downwindlandung, Notfallflar, Sliderstopper, Landeanflugplanung....???
Alles komische Begriffe die sicher jeder schon mal aufgeschnappt hat. Viele denken sich...neee das ist was für Profis. Und genau darin liegt die falsche Denkweise.
Ich für meinen Teil bin ja bekennender Sicherheitsfanatiker. Lieber schaue ich 3 mal auf meinen Cypres oder meinen Pin anstatt einmal zu wenig.
Ich habe mir noch in meiner Ausbildung einen eigenen Schirm zugelegt und den möchte ich kennenlernen.
Für was kann man die RR (Rearriser oder auch hinteren Tragegurte) einsetzen, wieso haben viele Springer ihren Slider "gerafft" und teilweise sogar bis in den Nacken gezogen?
Das sind nur 2 Fragen die ich mir schon länger stelle.
In Eggenfelden bekam ich das Angebot, auf die schnelle noch, in einen Canopy Control Workshop hineinzurutschen. Was ich auch dankbar annahm.
Der Workshop umfasst 12-15 höhenreduzierte Sprünge mit immer neuen Aufgaben.
Alles war vertreten vom blutigen Anfänger (wie mich mit 60 Sprüngen) bis zum "Swooper" mit mehreren 100 Sprüngen.
Theorieteil:
Das umfasst z.B. die Landeanflugplanung.
Häääää, ist der doof? 300m/200m/100m Schulter und Flare...kennt doch jeder...
NÖ!
Angenommen wir kommen an einen Sprungplatz der unbekannt ist.
Man hört dann häufig flieg von Ost nach West rein.
KEIN THEMA...kann ja jeder...und plötzlich ist man dann mal 100m weiter weg oder schlimmeres.
Und warum? Genau Landung nicht geplant.
Also was brauchen wir nun?
(Hier mal eine von mehreren Möglichkeiten den Landeanflug zu planen)
Ein Luftbild wäre nicht schlecht...
Im Norden sieht man ja gut die Start/Landebahn. (Anklicken des Bildes und alles wird bissl größer)
Wir nehmen mal an wir haben Wind aus Süden und wollen am Zielkreuz landen.
In Eggenfelden (wie hier im Bild) ist Linksverkehr. Also es wird links eingedreht.
Also zeichne ich mir meinen Landeplan ein:
Schaut schon mal gut aus unser Plan.
Im Grunde nicht anders als in der Ausbildung gelernt: 300/200/100m/Landung.
Aber ich weiß hier nicht wie sich der Wind auf meine Kappe auswirkt, wie viel Höhe verbrauche ich für das Manöver?
In meiner Landeanflugberechnung habe ich (wie man sieht) mit hinter dem Landepunkt noch einen Safety-Puffer angelegt.
Also falls ich zu Hoch reinkomme lande ich nach 10m nicht in einem Zaun.
Wie geht es weiter?
Ich muss herausfinden wie viel Höhe ich verbrauche, Das mache ich mit einem Landeanflug den ich in der Luft simuliere.
Also ich schaue mir die Entfernungen an und kopiere quasi den Plan auf andere Markante Stellen in der Karte.
Aha...nun haben wir einen fast gleichen Landeanflug im Südwesten.
Ich öffne also meine Schirm, das übliche Handling..Kappe Checken, Verkehr checken, Höhe Checken...
Dann fliege ich meinen kopierten Landeanflug einmal ab und schaue was ich an Höhe verliere.
(Die grüne Linie ist nur der Weg zum eigentlichen Landeanflug)
Sagen wir mal ich brauche 400m dann weiß ich das ich meinen Landeanflug in 400m ansetzen muss.
So gesehen kommt man viel Näher an sein ZIEL..JAJA..man solle sich ein Ziel setzen nicht einfach landen.
Ihr findet für fast alle Dropzones, wo ich schon gesprungen bin, unter dem Link Dropzones auch Luftbilder.
Also ausdrucken, in eine Klarsichtfolie packen und mit einem Folienstift einfach mal planen.
Und bitte nicht vergessen die Schirmfahrt gehört auch zum Fallschirmsport und ist nicht nur Mittel zum Zweck.
Wir haben auch mehr über Wingload erfahren, wie groß ist die Wingload meiner Kappe, was wäre eine gute Kappengröße für mich.
Wobei das relativ ist. Es ist ein Unterschied wenn ich aktuell 70kg wiege, 150sqft habe in Form eines PD Sabre und mit dem "relativ" gut zurecht komme
oder ich einen 150sqft Stiletto fliege der ja eine elliptische Kappenform hat. Aber ich will mal nicht zu sehr in die Theorie eintauchen.
Praktischer Teil:
Hier haben wir bei jeden Sprung andere Aufgaben bekommen. Jede Landung würde per Video ausgewertet und danach besprochen.
Es ist wirklich sehr hilfreiche wenn man an einem Tag mal 5 Landungen von sich selber sieht und man seine Fehler selber erkennt.
Mal so nebenbei...schon mal einen Muskelkater vom Springen gehabt? nee dann macht so einen Workshop mit :-)
Also nun zu den Sprüngen:
66. Sprung (Solo)
23.06.2007, 13:04, Exit bei: 1420m, Deploy: 1140m, Freifallzeit: 12 Sekunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 86km/h, Vmax: 86km/h
Ziel: Hop&Pop, Die Höhenstaffelung einhalten (also den Vordermann nicht überholen), Flarepunkt über Toggles (Steuerleinen) suchen und den Stallpunkt
über die Toggles ermitteln.
Exit war gut, dann erst mal das erlernte: Verkehr checken, Bin ich noch über meinem Vordermann? Entfernung zum nächsten Springer, Mittels RR in den Wind
drehen, Slider in Ruhe raffen, Brustgurt lockern, Locker in die Beingurte setzen, nochmal Verkehr checken, Höhe checken, dann mal die Vorbremse lösen.
Soweit so gut, ging alles ohne Hektik. Ich nahm dann die Toggles und schaute wo mein Flarepunkt ist, ich bemerkte ihn schnell knapp über meinen Schultern.
Ich pendelte dabei etwas nach vorne und die Kappe war hinter mir...Danach den Stallpunkt ermitteln und die Kappe beobachten..Auch das ging sehr schön und man sah wie die Kappe etwas unruhig über mir wurde aber nicht stallte.
Landung war eine 3-4 Wir hatten ja auch massiven Wind. Allerdings War die Höhenstaffelung etwas für den Popo. ich war der letzte beim Exit aber bin mit als erster angekommen.
67. Sprung (Solo)
23.06.2007, 20:16, Exit bei: 1620m, Deploy: 1380m, Freifallzeit: 8 Sekunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 107km/h, Vmax: 107km/h
Ziel: Flareprobe diesmal aber aus 50% bremse über die Toggles, Notfallflare (massiver Impuls an den Toggles wenn man z.B. zu schnell/tief hereinkommt), und ein Notfallflare aus einem Curve (eine Kurfenfahrt)
Exit war gut, wir haben auch die Reihenfolge geändert. Ich zog also die Bremse auf ca. 50% und merkte spürbar wie ich langsamer wurde dann ein der Flare. Er war nicht so stark wie ein normaler Flare da ich ja langsamer unterwegs war.
Dann der Notfallflare: Ich gab auf meine Toggels einen massiven und aggressiven Impuls, dabei pendelte viel weiter und schneller nach vorne als normal. Ich gewann sogar etwas an Höhe weil der Auftrieb der Kappe größer würde und sich der Winkel änderte. WOW...Krass dachte ich mir nur. Ich mache danach eine leichte Kurve und mache auch hier eine Notfallflare.
Landung war besser.
68. Sprung (Solo)
24.06.2007, 09:39, Exit bei: 1700m, Deploy: 1700m, Freifallzeit: 0 Sekunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 25km/h, Vmax: 25km/h
Ziel: 90°/180°/360° Drehung und hier den Höhenunterschied erkennen zwischen einer schnellen und langsamen Drehung.
Exitreihenfolge wieder geändert (es wird besser) *grins*
Das übliche wie Slider raffen, Verkehr checken, Höhe, etc.
Dann nochmal Höhe und eine Langsame 180° Drehung...ok...
Das ganze nochmal schnell...
hmmmm ein klarer unterschied...
ich versuche es bei 90° und 360° auch...
Ja sehr komisch..Ich pers. verbrauche mehr Höhe durch eine Langsame Drehung als bei einer schnellen.
Andere Springer machen andere Erfahrungen.
Aber es kommt immer darauf an wie stark man den Impuls gibt, Welche Kappe, Gewicht etc.
Auf alle Fälle weiß ich das ich bei einer langsamen 360° Drehung mehr Höhe abbaue also über eine schnelle Toggledrehung.
69. Sprung (Solo)
24.06.2007, 11:36, Exit bei: 2460m, Deploy: 1160m, Freifallzeit: 22 Sekunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 212km/h, Vmax: 219km/h
Exit und einen schönen langen Track....dann abbremsen und Track in die andere Richtung...mmmhhh geil...
Häää was quatscht der da? Höhenreduziert sagt er doch am Anfang.
Ja richtig aber der Workshop war mit 6 Mann belegt und ich konnte einspringen weil einer eine zu große Kappe für den Wind vom Vortag hatte.
Daher nun ein höherer Sprung. *hehe*
Ziel: Drehen mir den RR, RR Flare, RR Stall und Downwindlandung.
Drehen mir den RR (Rearrisern) git sehr gut, Sicher etwas schwerer als mit den Toggles aber durchaus machbar.
RR Flare war dann schon etwas schwerer aber auch das ging.
RR Stall ging auch ohne Probleme ich fühlte allerdings nicht den Höhenverlust wie andere Springer. (ggf. habe ich nicht weit genug gestallt)
Unsere Höhenstaffelung war nun besser, VIEL besser, alle kamen so rein wie das Exit war.
Allerdings Downwind...
Ich suchte den Flarepunkt...VERDAMMT bin ich schnell...Dann flare ich...Allerdings etwas zu hoch...
Alles im Grunde gut nur zu hoch die Kappe gewann auch etwas an Höhe und ich landete etwas unsanft auf dem Steißbein.
Wieder was gelernt. *grummel*
70. Sprung (Solo)
24.06.2007, 13:22, Exit bei: 3820m, Deploy: 1240m, Freifallzeit: 53 Sekunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 176km/h, Vmax: 176km/h
Ziel: RR Stall, RR Flare mit Übergang zum Toggle Flare
Nach einem weiteren schönen Freien Fall im Sitzen pullte ich und genoss die Schirmöffnung wirklich seit langem. Ich freute mich auf den Auftrag und die
Schirmfahrt.
Der RR Flare und Stall ging nun besser und ich fand schnell die entsprechenden Punkte. Wo ich mich etwas hart getan habe ist es vom RR Flare in einen Toggle Flare überzugehen. Es klappte auch nur ansatzweise. Ich weiß nicht ob meine Raiser für so was ausgelegt sind.
Landung wieder stehend...Puh wenigstens etwas...
71. Sprung (Solo)
24.06.2007, 14:25, Exit bei: 1480m, Deploy: 1480m, Freifallzeit: 0 Sekunden, Durchschnittsgeschwindigkeit: 25km/h, Vmax: 25km/h
Ziel: an den Frontrisern ziehen (eher sanft) dann einseitiger Impuls auf die Frontriser
Noch im Flugzeug konnte ich es kaum erwarten mein Hand-Deploy wegzuwerfen. Jaja Schirmfahrt kann wirklich viel Spaß machen.
Ich nahm beide FR in die Hände und zog...NIX
Dann noch mal Ich mache fast einen Klimmzug..wieder nix *grummel*
Ich versuchte es auf einer Seite...Bekam den FR aber nur ca. 3-5cm herunter...Sehr ernüchternd. :-(
Ich werde zusehen das ich mir Schlaufen an den FR annähen lasse, ggf. geht es dann besser.
Also suche ich alternativ wieder den Flarepunkt und spielte etwas mit Flare und Stall herum, ist ja immer gut.
Landung war wieder Downwind...(halb stehend) Aber nicht fallend!!!!!
Ich merke es wird alles besser...
An der Stelle brach ich dann erst mal ab. Zum einen da es ab jetzt mehr um die FR geht (ich muss die erst modifizieren lassen)
und zum anderen da alle 6 weiter gesprungen sind (also der Flieger für höhenreduzierte Sprüngen voll war)
Ich freue mich schon sehr auf Juli um dann den Rest im nächsten Kurs zu lernen.