Die Disziplinen im Fallschirmsport
 
Es ist kaum zu glauben was im Fallschirmsport alles möglich ist daher hier mal eine kleine Auflistung über die Disziplinen und Möglichkeiten.
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Zielspringen
 
Seit den ersten Fallschirmsprüngen konzentriert sich die Aufmerksamkeit der Springer darauf, sobald sie am geöffneten Schirm hängen, den von ihn gewünschten Landeplatz anzusteuern und dort sicher zu landen. Aus dieser reinen Notwendigkeit heraus entwickelte sich das Zielspringen als älteste und ursprünglichste Fallschirmsportdisziplin, in der die Aktiven begannen, ihre Fähigkeiten untereinander zu messen. Mit fortschreitender Technik wurde die Kontrolle und Manövrierfähigkeit von Fallschirmen besser und damit auch das Erreichen bestimmter Zielflächen immer einfacher. Gleichzeitig wuchs der Ehrgeiz der Springer immer kleinere Landeflächen anzuvisieren. Bei Wettkämpfen liegt der Durchmesser einer Zielscheibe, der so genannten "Nullscheibe", inzwischen bei 3 cm. Die sichere und präzise Handhabung des Fallschirms ist für solche Leistungen natürlich unabdingbare Voraussetzung, ebenso wie ein gutes Auge und Nervenstärke. Bis es zu einer solchen Präzision kommt, sind zahlreiche Trainingssprünge erforderlich. Spitzensportlern gelingt es jedoch regelmäßig dieses kleine Ziel punktgenau zu treffen.
 
 
 
Kappenformtion

Das Kappenformationsspringen zählt zu den jüngeren Disziplinen und wurde erst durch die Entwicklung rechteckig geformter Fallschirme möglich. Diese verfügen über die erforderlichen Flugeigenschaften, mit denen ein präzises und sicheres Manövrieren im Verhältnis zu anderen Fallschirmen möglich ist. Die Verbindung zwischen den Springern erfolgt nach der Annäherung durch Griffe mit Händen und Füßen an den Leinen oder am Stoff der Fallschirmkappe. Bei Wettbewerben können Springer in 4er und 8er Disziplinen gegeneinander antreten. Die größten bisher geflogenen Kappenformationen umfassten mehr als 65 Springer. Der freie Fall spielt in dieser Disziplin eine untergeordnete Rolle. Die Springer öffnen ihre Fallschirme meistens unmittelbar nach Verlassen des Flugzeuges, um dadurch mehr Zeit für die Arbeit am geöffneten Schirm zu gewinnen. Wegen der besonderen Anforderungen an das Material sind nicht alle Fallschirme gleich gut für das Kappenformationsspringen geeignet. Wettkämpfer verwenden im allgemeinen besonders konstruierte Schirme, die ein stabileres Flugverhalten sowie eine belastungsfähigere Bauweise und robusteres Material vorweisen.
 
 
 
Relative Work (RW)
Formationsspringen bzw. Relative Work oder kurz RW ist die beliebteste Disziplin im Fallschirmsport. Dabei bilden mehrere Akteure durch gegenseitiges Fassen von Armen und Beinen im Freifall eindrucksvolle Figuren und Muster – bei Geschwindigkeiten um 200 km/h!

Die Idee für das Formationsspringen entstand in Kanada. Dort kam es 1958 zur ersten dokumentierten Übergabe eines Stabes im freien Fall. Daraufhin wurden die wesentlichen Grundtechniken für das Formationsspringen entwickelt. Dazu gehören das Angleichen der Fallgeschwindigkeit an die anderen Springer, die Vorwärts-, Seitwärts- und Rückwärtsfahrt sowie kontrolliertes Drehen. Schließlich gelang 1965 die erste Achterformation, zwei Jahre später der erste 10er-Stern.

Formationen können aus mehreren hundert Fallschirmspringern bestehen. Der Rekord liegt derzeit bei 357 Springer in einer Formation (Stand 2006). Bei Wettbewerben sind allerdings Vierer- oder Achter-Formationen üblich. Dabei müssen in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele vorher festgelegte Figuren gebildet werden. Erfahrene 4er-Teams zum Beispiel können innerhalb von 35 Sekunden über 30 verschiedene Formationen entstehen lassen, bevor sich die Schirme öffnen.
 
 
 
Speedstar
Ein Speedstar ist eine interessante Mischung von einem Formationssprung und Schnelligkeit. Mehrere Springer verlassen nacheinander das Flugzeug und formen dann im freien Fallen einen "Stern". Das kann man zu viert, fünft, acht oder auch zu zehnt (10'er Speedstar) machen. Es ist jedoch nicht so einfach wie es sich anhört. Man muss nacheinander auf den entstehenden Stern zufliegen. Ist man zu schnell kann man die Formation "sprengen" und ist man zu langsam sind ggf. andere Teams schneller. Wenn einmal der Stern steht und sich alle an den Händen festhalten wird die Zeit gestoppt, die Formation muss eine gewisse Zeit halten und darf nicht auseinander brechen. Üblicherweise wird ein Speedstar im Wettkampf mit anderen Teams gegeneinander geflogen. Gewinner ist das Team das den Stern am schnellsten aufgebaut hat.
 
 
 
Skysurfen
   
Beim Skysurfen dreht sich alles ums Teamwork. Ein Team besteht aus zwei Springern, die perfekt aufeinander eingespielt sein müssen: Skysufer und Kameraspringer. Der Skysurfer führt mit dem sogenannten Skyboard – eine Art Snowboard – im Freifall verschiedene Figuren durch und wird dabei vom Kameramann begleitet.

Die spektakuläre Inszenierung der Surf-Moves ist zentraler Bestandteil dieser Disziplin. Denn am Ende wird nicht nur die Choreografie und Qualität der präsentierten Saltos, Rollen und Schrauben bewertet, sondern auch das interaktive Zusammenspiel zwischen Surfer und Kameramann. Im Zuge der wechselnden Figuren, kommt es beim Skysurfer zu Geschwindigkeitswechseln, die vom Kameramann ausgeglichen werden müssen. Nur so kann der Skysurfer während der ganzen Performance formatfüllend gefilmt werden. Die Geschwindigkeiten variieren je nach Körperstellung zwischen 180 und 300 km/h. Deshalb ist die Synchronisation der Fallgeschwindigkeit für den Kameraspringer eine besondere Herausforderung und von essenzieller Bedeutung für eine gelungene Performance. Apropos Geschwindigkeit: Spitzensurfer erreichen bei der so genannten
„Helikopter-Schraube“ auf dem Kopf stehend unglaubliche Rotationsgeschwindigkeiten von bis zu vier Umdrehungen pro Sekunde.
 
 
 
Freefly
   
Freeflying ist die jüngste Disziplin im Fallschirmsport und wird immer beliebter. Beim Freeflying wird die klassische Freifall-Bauchlage durch andere Körperpositionen abgelöst. Geflogen wird sitzend (Chute Assis), stehend (Stand Up) oder kopfüber (Headdown) – kurz: erlaubt ist, was Spaß macht.

Die Kunst beim Freeflying besteht darin, vermeintlich instabile Körperpositionen kontrolliert zu fliegen. Besonders reizvoll sind die hohen Geschwindigkeiten, die beim Freeflying erzielt werden können. Der Durchschnitt liegt bei rund 260 km/h. Es sind aber auch Geschwindigkeiten bis zu 500 km/h möglich. Die ständige Entwicklung immer neuer Figuren stellt die Freeflyer immer wieder vor neue Herausforderungen.
 
 
 
Swooping
(Bild: Copyright T. Landmann)
Das Swooping ist die vielleicht spektakulärste Disziplin im Fallschirmsport. Es geht dabei um Geschwindigkeit und Strecke. Aber nicht beim vertikalen Freifall, sondern beim horizontalen Gleiten am geöffneten Schirm im Landeanflug. Präzision, Koordinationsvermögen und reichlich Erfahrung sind dabei von essenzieller Bedeutung.

Beim Swooping kommen kleinere und äußerst wendige Hochleistungsfallschirme mit größerem Geschwindigkeitspotenzial zum Einsatz. In ca. 300 bis 150 Metern leitet eine Kurve, ein sog. Hookturn, einen Sturzflug ein. Dabei wird eine Sinkgeschwindigkeit von ca. 120-140 km/h erreicht. Zur Beendigung der Geschwindigkeitsaufnahme wird der Fallschirm kurz über dem Boden in die normale Fluglage gebracht. Die Sinkgeschwindigkeit wird so in Horizontalgeschwindigkeit umgesetzt. So sind Streckenflüge von über 100 Metern möglich. Ziel beim Swooping ist es also, den Fallschirm durch gekonnte Manöver beim Landeanflug so schnell zu machen, dass der Schirm parallel zum Boden eine möglichst lange horizontale Strecke gleitet. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 142 Metern!
 
 
 
Birdman
Mit einem Flügelanzug (Wingsuit) kommt man dem Traum vom Fliegen wohl am nächsten. Große Flügel unter den Armen und zwischen den Beinen wirken im freien Fall wie die Tragflächen eines Flugzeuges. Der Clou: durch den Auftrieb lässt sich mit etwas Übung die Flugzeit verdoppeln und der Gleitwinkel auf 45 Grad reduzieren. So sind Gleitflüge mit großer Reichweite möglich. Ab 300 Sprüngen kann man sich „zum Birdman ausbilden lassen.
 
 
 
Freestyle
 
Die Disziplin Freestyle hat ihren Ursprung im klassischen Figurenspringen. Perfekte Körperbeherrschung, eiserne Disziplin und ästhetische Ausdrucksstärke sind die ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren. Aufgrund der spielerisch grazilen Bewegungsabfolgen wird Freestyle auch als das „Ballet“ des Fallschirmsports bezeichnet. Ein Springer zeigt im Rahmen seiner Performance bestimmte Moves und Posen und wird dabei von einem Sprungpartner mit Helmkamera begleitet und gefilmt. Bei Wettbewerben werden Kür- und Pflichtübungen bewertet. Und auch die Leistung des Kamerafliegers fließt in die Wertung ein.
 
 
 
Tunnel
Hier kann man auch ohne den Sprung aus einem Flugzeug oder ähnlichen den freien Fall simulieren.
In einem Windtunnel wird durch eine großen Propeller oder einer Turbine ein Luftstrom erzeugt der den Körper "schweben" lässt.
Häufig wird ein Tunnel von erfahrenen Springern benutzt um die Freifallzeit zu erhöhen und so den Bewegungsablauf zu optimieren.
Aber auch für Anfänger ist es eine gute Hilfe um die Grundpositionen zu üben.
 
 
 
B.A.S.E.
   
B.A.S.E. ist eine Abkürzung und steht für:
B: Buildings (Gebäude), A: Antennas (Antennen), S: Spans (Brücken), E: Earth (Erde/Klippen/Felsen).
BASE gilt als cool, hip und gerade angesagt. Besonders in Springerkreisen wird es zunehmend populärer. Aber es ist auch gefährlich und verlangt sorgfältigste Vorbereitung, 100% Konzentration und absolute Präzision. Jeder sollte sich vorher fragen, ob er sich dem Risiko eines BASE-Sprunges wirklich aussetzten will. Der Begriff "Extremsport" trifft hier absolut zu. Keinesfalls ist es eine Trend- oder Funsportart. Genaue Details hier zu erwähnen macht wenig Sinn. Nur soviel vorab, erst muss man Fallschirmspringer sein und ausreichend Erfahrung erwerben, dann kann man sich entscheiden ob man Baser werden will.